Die Möllner Briefe - Filmvorführung und Gespräch

02.10.2026 19:30–21:30 Uhr

DIE MÖLLNER BRIEFE von Martina Priessner erzählt von den rassistischen Brandanschlägen von 1992, vom Überleben, vom Verlust und von einem Schmerz, der bis heute nachwirkt. Im Zentrum steht İbrahim Arslan, der als Kind das Feuer überlebte und seine Schwester, Cousine und Großmutter verlor. Jahrzehnte später werden im Stadtarchiv vergessene Solidaritätsbriefe entdeckt – nie weitergeleitet an die Familien. Der Film gibt den Betroffenen Gehör und schlägt eine bewegende Brücke zwischen Erinnerung, Trauma und Solidarität.

Im November 1992 zerstörten rassistische Brandanschläge in Mölln das Leben von İbrahim Arslan und seiner Familie. Der 7-jährige Junge überlebte das Feuer, verlor aber auf tragische Weise seine Schwester, seine Cousine und seine Großmutter. In der Folgezeit erhielt die Stadt Hunderte von Solidaritätsschreiben, die archiviert wurden und fast drei Jahrzehnte lang in Vergessenheit gerieten. Verwoben mit İbrahims ergreifender Erinnerungsreise und seinen Begegnungen mit drei Briefschreiberinnen, bilden diese längst vergessenen Botschaften eine eindrucksvolle visuelle Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Film begleitet İbrahim und seine Geschwister und zeichnet ein sensibles Portrait des anhaltenden Traumas, das ihr Leben bis heute prägt. Durch seinen Kampf gegen Rassismus und den Einsatz für die Opfer hat İbrahim einen Weg gefunden, seinen Schmerz zu kanalisieren. Sein Bruder Namık hingegen kämpft immer noch mit den emotionalen Narben der Vergangenheit. 

DIE MÖLLNER BRIEFE verschafft nicht nur den Überlebenden und Familien der Opfer mehr Gehör, sondern erzählt auch von der großen Solidarität und dem Mitgefühl, das nach den Anschlägen in Briefen und Beileidsbekundungen an die Familien adressiert wurde. Erst 2020 wurden diese Briefe, geschrieben von Erwachsenen und Kindern, im Archiv der Stadt Mölln entdeckt. Sie wurden nie an die Familien weitergeleitet.

Der Film von Martina Priessner wurde ausgezeichnet mit dem Berlinale Panorama Publikumspreis 2025, dem Amnesty International Filmpreis 2025 und dem Roman Brodmann Preis 2025.

Landkreis
Stuttgart
Veranstalter & Kooperationspartner
Deutsch-Türkisches Forum Stuttgart und Kulturwerk
Veranstaltungsort
KULTURWERK, Ostendstr. 106 a, 70188 Stuttgart